reuters: Neonazis wollen mit CDs um Nachwuchs werben

jugendschutz.net

Es soll eine gigantische Werbekampagne für die rechte Szene werden: Bis zu 250.000 CDs mit rechtsextremistischen Musikstücken und Propaganda-Material wollen Neonazis nach Erkenntnissen der Behörden voraussichtlich in den kommenden Tagen bundesweit an Jugendliche verschenken, um ihnen rechtes Gedankengut schmackhaft zu machen.
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"Das ist eine neue Qualität der rechtsextremen Ansprache Jugendlicher", sagt Friedemann Schindler, der in Mainz die länderübergreifende Stelle für Jugendschutz im Internet, jugendschutz.net, leitet. Sie ist unter anderem dafür zuständig, pornografische, gewaltverherrlichende oder rechtsextremistische Seiten im Internet zu suchen und schließen zu lassen. Schindler sieht vor allem ein Problem im subtilen Vorgehen der CD-Produzenten, die die Jugendlichen nicht mehr mit plumpen Parolen ansprächen. "Offensichtlich neonazistische Angebote sind relativ leicht durchschaubar - so bekloppt wie Hitler will keiner mehr sein. Subtile ausländer- oder judenfeindliche Parolen sind da ein größeres Problem", sagt Schindler. Solche latenten Einstellungen solle die CD offenbar stabilisieren.
Die Lehrer an den Schulen, vor denen die CD bald verteilt werden könnte, sollten sich auf das Thema Rechtsextremismus vorbereiten, rät Schindler. "Wenn sie die erste CD sehen und sich dann erst informieren, ist es zu spät." jugendschutz.net biete dazu über die Bundeszentrale für politische Bildung Hintergrundinformationen, Unterrichtsmaterial und weiter führende Angebote auf einer CD an. "Es gibt Material. Es gibt eigentlich keinen Bereich, der besser dokumentiert ist als der Rechtsextremismus."