heise: Exekutions-Voyeurismus als Online-Massenphänomen

jugendschutz.net

Es vergeht kaum ein Tag ohne grausame Nachrichten aus dem Irak: Fanatiker, die sich vor Polizeistationen und Rekrutierungsbüros der Sicherheitsbehörden in die Luft sprengen und Dutzende von Menschen mit in den Tod reißen; Entführungsopfer, die vor laufenden Kameras bedroht, gedemütigt und Einzelfällen von ihren Peinigern sogar getötet werden. Und die Welt schaut zu: Anders als westliche Fernsehstationen, die ihren Zuschauern die schlimmsten Bilder meist nicht zumuten, sind Exekutions- und Selbstmord-Videos im Internet aber frei zugänglich.
So betreibt beispielsweise Dan Klinker seit geraumer Zeit eine Web-Seite, die gespickt ist mit entsprechenden Videosequenzen. Folter, Enthauptungen, Erschießungen [...] Wer mehr Perversitäten sehen will, bekommt dann für wenige US-Dollar Zugriff auf unzählige weitere Videos.
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Allein das neunminütige Video von Eugene Armstrong, einer im Irak verschleppten US-Geisel, der Terroristenführer Abu Musab al-Sarkawi Anfang der Woche eigenhändig den Kopf abgeschnitten haben soll, haben nach einem Bericht des San Francisco Chronicle inzwischen mehr als eine Million Internet-Surfer heruntergeladen. Insgesamt sechs von Klinker angemietete Server hätten einen Ansturm von 50.000 Besuchern pro Stunde bewältigen müssen.