heise: Kinder im Netz: unterversorgt oder überbehütet?

jugendschutz.net

Ein Masterplan für kindgerechte Online-Inhalte, ein Bekenntnis zur Notwendigkeit staatlicher Aufsicht im Jugendmedienschutz und die Warnung vor einem möglichen Verbot von Sperrverfügungen in den EU-Mitgliedsländern - das waren Themen bei der 3. Zukunftswerkstatt der Kommission für Jugendmedienschutz der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Bundeszentrale für Politische Bildung gestern in Berlin. Die Veranstaltung stand erstmals unter der Schirmherrschaft von Medienkommissarin Vivianne Reding und zudem auch im Zeichen der Vorbereitungen der Bundesregierung auf deren medien- und Jugendmedienschutzpolitischen Aktivitäten während der deutsche EU-Ratspräsidentschaft im kommenden Jahr.

Hans-Ernst Hanten, Ministerialdirigent beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, versprach, die Masterplan-Idee von Bernd Merz, dem EKD-Rundfunkbeauftragten, zum Thema bei einem für die Präsidentschaft geplanten Gipfel zum Thema Vertrauen und Qualität in alte und neue Medien zu machen. Merz hatte schnellere Ergebnisse im Jugendmedienschutz gefordert, besonders durch qualitätsvolle Angebote, etwa ein europäisches Online-Kinderportal. Friedemann Schindler, Leiter des KJM-Anhängsels Jugendschutz.net, kritisierte, dass große Anbieter immer weniger in Seiten für Kinder investierten oder diese ganz aus dem Programm nähmen.
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Wolf-Dieter Ring, Vorsitzender der KJM, begrüßte ausdrücklich die Einführung koregulativer Maßnahmen für den Jugendschutz im Rahmen der Neufassung der "Fernsehrichtlinie", die künftig auch "nichtlineare Dienste" umfassen soll. "Nach meinem Verständnis des Paragraphen 3 wird reine Selbstregulierung dann keine sachgerechte Umsetzung mehr in Europa sein," so Ring. Der Kritik von Unternehmensseite hielt Ring entgegen, dass die regulierten Selbstregulierung nur funktioniere, wenn beide Seiten ihre Verantwortung auch wahrnähmen.
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Hanten versicherte angesichts der Bedenken, es gehe eher darum, die KJM bei der Durchsetzung von Beschwerden zu stärken. Versäumnisse sehe er bei den Landesmedienanstalten, die die KJM-Beschwerden nicht schnell genug abarbeiteten. Ring sprach von 230 Aufsichtsfällen im Bereich Telemedien seit dem Bestehen der KJM.