plusminus.de: Kinderspiel - Ungeschützter Chatverkehr

jugendschutz.net

In den meisten Chat-Räumen [...] stehen Jugendlichen alle Türen offen. Dort werden sie zum Freiwild für Anmache oder sexuelle Belästigung. Besonders junge Mädchen sind betroffen. Dabei ist die Gefahr um so größer, je schlechter ein Anbieter seinen Chat-Raum überwacht.

Daher wird auch bei Jugendschutz.net in Mainz regelmäßig gechattet. Seit über zwei Jahren geben sich dort angehende Sozialpädagoginnen als 12- oder 14-Jährige aus. Und oft kommt es zu sehr zweifelhaften Dialogen. Im sehr beliebten Bravo-Chat wird die vermeintlich 12-jährige Rechercheurin noch während unserer Dreharbeiten mit einem dubiosen Angebot konfrontiert: Ein Teilnehmer mit dem Pseudonym "Superbabe 0-11", angeblich 25 Jahre alt und weiblich, will wissen, ob sie ein Mädchen kennt, dass sich für Geld auszieht. Das Angebot: 2.500 Euro!

Eigentlich sollten automatische Filter und menschliche Aufpasser, so genannte Moderatoren, solche Angebote in Chat-Räumen verhindern. Viele Anbieter aber beschränken ihre Jugendschutzmaßnahmen lediglich auf einen Appell an die Kinder und deren Eltern. Doch das reicht nicht aus: Ein Anbieter hat nämlich "nach dem Mediendienste-Staatsvertrag zum Beispiel das zu tun, was ihm technisch möglich und zumutbar ist. Und da er einen potenziell jugendgefährdenden Ort betreibt, ist natürlich von ihm auch zu erwarten, dass er entsprechende Jugendschutzmaßnahmen umsetzt", so Friedemann Schindler von Jugendschutz.net.

Für eine Stichprobe waren wir in insgesamt 13 Chat-Räumen jeweils zwischen drei- und fünfmal als vermeintlich Jugendliche zu unterschiedlichen Zeiten aktiv. Auf Pornografie oder eindeutig sexuelle Anmache stießen wir oft innerhalb von nur einer Stunde bei AOL, Bravo, Chat4Free, Chatcity, Freenet, Habbohotel, Knuddels und Lycos. Davon verschont blieben wir nur bei Cyberzwerge, Kindernetz, Seitenstark, TiVi und Toggo.