derNewsticker.de : Horrorvideos per Handy und E-Mail

jugendschutz.net

So sehr sich Raimund auch anstrengt, ein erfolgreicher Sänger wird er wohl niemals. "So ein Riesenspast! Was für ein Opfer!", lautet ein beleidigendes Urteil eines anonymen Internetnutzers über das Video von Raimund. Es zeigt seinen gescheiterten Auftritt bei der RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" ("DSDS"). Über 400 Mal existiert der Clip mit Hunderten hämischen Kommentaren alleine auf der Videoplattform Myvideo.de. "Der arme Teufel wird von den anonymen Jugendlichen richtig fertiggemacht", sagt Friedrich Schindler, Leiter der Internetseite Jugendschutz.net. Was Raimund widerfährt, nennt sich Cyber-Mobbing und war neben Gewalt im Web 2.0 Thema der Jugendmedienschutztagung der Niedersächsischen Landesmedienanstalt (NLM) am Montag.
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Petra Grimm von der Hochschule der Medien in Stuttgart hat eine Studie über den Umgang Jugendlicher mit gewalthaltigen Web-Inhalten und Cyber-Mobbing vorgelegt. Der Anteil der Kinder und Jugendlichen, die im Internet schon einmal unangenehme Erfahrung gemacht hätten sei mit einem Drittel relativ hoch, heißt es in Grimms Studie. Vor allem Mädchen seien häufig Opfer sexueller Belästigungen im Netz. Jedes fünfte Mädchen sei schon einmal im Internet sexuell belästigt worden.

Extreme Gewaltvideos sind laut der Studie ebenfalls ein Problem. Danach haben schon 43,3 Prozent der Kinder und Jugendlichen Bilder und Videos von Hinrichtungen oder Folter im Netz gesehen. So berichtet ein Junge in der Studie beispielsweise von einem Video, bei dem einem Menschen bei lebendigem Leib der Kopf abgeschnitten wird.
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Jugendschützer Schindler verlangt deshalb schärfere Kontrollmaßnahmen von den großen Web-2.0-Anbietern wie schülerVZ, Facebook oder Youtube. Unter anderem mit Hilfe eines sogenannten Unique Identifier, beispielsweise der Personalausweisnummer, könnten anonyme Täter identifiziert werden, sagte er. Außerdem forderte Schindler die Seitenbetreiber auf, konsequent gegen gewalttätige oder sexuelle Inhalte vorzugehen. Zurzeit gebe es noch kein Filtersystem, dass soziale Plattformen ausreichend auf mögliche Gefahren durchforste, bemängelt der Jugendschutz-Experte.