Pressemeldung_2020-11-09

jugendschutz.net

Corona-Pandemie: Verschwörungsmythen auf dem Vormarsch Report „Hate Speech – ein europäischer Vergleich“ fasst die Ergebnisse aus zwei Jahren internationaler Projektarbeit zusammen

Mainz, 09.11.20 | In der COVID-19-Pandemie haben international vor allem antisemitische Verschwörungsmythen neue Verbreitung gefunden. Dabei wurden bestehende extremistische Narrative an die aktuelle Situation angepasst und Jüdinnen und Juden für die Entstehung und Verbreitung des Virus verantwortlich gemacht. „Geheime Eliten“ würden die Pandemie nutzen, um eine „Neue Weltordnung“ zu etablieren oder eine Diktatur einzuführen. Häufig wird dabei unmittelbar eine jugendliche Zielgruppe angesprochen. Diese Beobachtung von jugendschutz.net bestätigte sich nun auch länderübergreifend im Rahmen eines Projekts mit europäischen Partnerorganisationen. Oft wurden bekannte Verschwörungsmythen gegen Geflüchtete mit neuen Bezügen versehen. So fand z. B. die ursprünglich aus Frankreich stammende Theorie des „Großen Bevölkerungsaustauschs“ unter der Pandemie große Verbreitung. Nun fasst der Report „Hate Speech – ein europäischer Vergleich“ die Ergebnisse aus zwei Jahren internationaler Projektarbeit zusammen.

 

„Der Report belegt eindrucksvoll, wie sich extremistische Gruppen über soziale Medien vernetzen und menschenverachtende Ideen in die Köpfe junger Menschen tragen – und dies länderübergreifend. Daher ist es wichtig, dass sich zivilgesellschaftliche Organisationen transnational vernetzen und Gegenstrategien entwickeln“, erläutert Stefan Glaser, Leiter von jugendschutz.net. „Vor allem sind die Anbieter globaler Dienste gefragt, Kinder und Jugendliche besser vor Hass und Hetze im Internet zu schützen und hierfür beispielsweise effektive Meldesysteme zu implementieren“, so Glaser weiter.

 

Von 2018 bis 2020 hat jugendschutz.net gemeinsam mit neun europäischen Partnerorganisationen das Projekt „Platforms, Experts, Tools: Specialised Cyber Activists Network“ (sCAN) durchgeführt, welches von der EU-Kommission gefördert wurde. In gemeinsamen Recherchen wurden die verschiedenen Phänomene und Verbreitungswege von Hate Speech im Netz beleuchtet. Schwerpunkte lagen dabei in der Kategorisierung von Hassphänomenen und Trends sowie einer Recherche des Reaktionsverhaltens großer Social-Media-Dienste. Deutlich wurde: Extremistinnen und Extremisten verschiedener Länder nutzen vergleichbare Narrative. Um der zunehmenden Moderation in großen internationalen Netzwerken zu entgehen, weichen extremistische Gruppierungen auf kleinere Plattformen aus.

 

Die Erkenntnisse fanden Eingang in Online-Kurse und Workshops. Partnerschaften und gemeinsame Projekte sollen auch nach dem Ende des sCAN-Projektes im Rahmen des International Network Against Cyber Hate (INACH) fortgeführt werden. Der Projektbericht steht zum Download bereit unter: www.jugendschutz.net/pdf/Report_Hate_Speech_Europaeischer_Vergleich.pdf. Alle Ergebnisse des Projekts können unter scan-project.eu abgerufen werden.

 

 

Hintergrundinformationen zu jugendschutz.net

jugendschutz.net ist das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Die Jugendministerien haben jugendschutz.net 1997 gegründet. Die Stelle ist seit 2003 an die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) angebunden und recherchiert Gefahren und Risiken in jugendaffinen Diensten. Sie fordert Anbieter und Betreiber auf, ihre Angebote so zu gestalten, dass Kinder und Jugendliche sie unbeschwert nutzen können. Finanziert wird jugendschutz.net von den Obersten Landesjugendbehörden, den Landesmedienanstalten und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

jugendschutz.net nimmt über seine Online-Beschwerdestelle Hinweise auf Verstöße gegen den Jugendmedienschutz entgegen. Verstöße im Netz können gemeldet werden unter www.jugendschutz.net/hotline

 

Kontakt

E-Mail: presse(at)jugendschutz.net

www.jugendschutz.net

 

 

Hintergrundinformationen zu INACH

Das International Network Against Cyber Hate (INACH) wurde 2002 von jugendschutz.net und der niederländischen Magenta Stiftung gegründet. Das Netzwerk vereint Organisationen aus Europa, Israel, Russland, Südamerika und den USA, die sich für die Bekämpfung von Hassrede im Internet einsetzen.

Die meisten INACH-Mitglieder betreiben ein systematisches Monitoring von Internetangeboten und nehmen als Online-Meldestellen Hinweise von Userinnen und Usern entgegen. Ziel ist, eine möglichst zeitnahe Löschung von rechtswidrigen Hassbeiträgen zu erreichen. Andere Mitglieder setzen stärker auf Bildungs- und Aufklärungsarbeit, um für die Problematik zu sensibilisieren und Zivilcourage im Netz zu fördern.

INACH wird finanziert von Mitgliedsbeiträgen, der Europäischen Union, der Bundeszentrale für politische Bildung und dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

 

www.inach.net