Pressemitteilung

jugendschutz.net

Verängstigt, bedroht, diffamiert: Zu wenig Schutz für Kinder und Jugendliche im Internet Plattformen löschen nur ein Drittel der gemeldeten Verstöße | zu wenig vorbeugender Schutz vor Risiken | Bericht von jugendschutz.net zur Sicherheit in Social Media veröffentlicht

Mainz, 28.12.2018: Kinder und Jugendliche sind Mobbing, Hass und Gewalt in Social Media oft schutzlos ausgeliefert. Verstöße werden von den jugendaffinen Plattformen zu selten gelöscht. Schutzmechanismen wie sicher vorkonfigurierte Profile oder verlässliche Altersprüfungen fehlen. Dies sind Ergebnisse einer Recherche von jugendschutz.net über die Risiken bei YouTube, Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter und Tumblr.

 

„Nur ein Drittel der Jugendschutzverstöße, die wir als einfache Nutzerinnen und Nutzern gemeldet haben, entfernten die Betreiber“, sagt Friedemann Schindler, Leiter von jugendschutz.net. „Besonders schlecht waren die Löschquoten bei unzulässigen Gewaltdarstellungen und Inhalten, die selbstgefährdendes Verhalten propagieren.“ Die Meldefunktionen seien zudem häufig nur schwer auffindbar oder stünden nur eingeloggten Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung.

 

Der nun vorgelegte Bericht zeigt auch, dass kein Betreiber sichere Accounts für Kinder anbietet. Alle Dienste weisen zwar ein Mindestalter für die Nutzung aus, sie ignorieren aber die Verpflichtung aus der Datenschutz-Grundverordnung (DGSVO), das Alter ihrer Nutzerinnen und Nutzern verlässlich zu überprüfen oder die Zustimmung der Eltern einzuholen.

 

„Junge Menschen haben ein Recht, sich auch im Netz gefahrlos zu bewegen und unbeschwert am Leben in der digitalen Welt teilzuhaben“, betont Bundesfamilienministerin Dr. Franziska Giffey. „Die Ergebnisse von jugendschutz.net belegen erneut eindrücklich, dass dies leider viel zu häufig nicht gewährleistet ist. Relevante Anbieter müssen unabhängig davon, ob sie im In- oder Ausland sitzen, ihrer Verantwortung für den Kinder- und Jugendmedienschutz wirksam gerecht werden. Dafür arbeiten wir gerade an einem neuen Jugendmedienschutzgesetz, das den Jugendschutz sowohl offline als auch online zeitgemäßer und effektiver machen soll.“

 

Der Bericht "Jugendliche sicher in Social Media?" fasst die Ergebnisse eines Projekts für das Bundesfamilienministerium zusammen. jugendschutz.net überprüfte, wie die Betreiber von YouTube, Instagram, Snapchat, Facebook, Twitter und Tumblr auf die Meldung von Verstößen reagieren und welche Vorsorge sie beispielsweise durch sichere Voreinstellungen treffen, um Gefahren für Kinder und Jugendliche zu reduzieren.

 

Der Bericht kann hier (PDF) heruntergeladen werden.

 

Über jugendschutz.net
jugendschutz.net ist das gemeinsame Kompetenzzentrum von Bund und Ländern für den Schutz von Kindern und Jugendlichen im Internet. Die Stelle drängt Anbieter und Betreiber, ihre Angebote so zu gestalten, dass Kinder und Jugendliche sie unbeschwert nutzen können. Sie nimmt über ihre Hotline Hinweise auf Verstöße gegen den Jugendmedienschutz entgegen und sorgt dafür, dass diese schnell beseitigt werden.

 

Kontakt:
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