(Stand Mai 2026)
Auf Social-Media-Plattformen wie Instagram oder TikTok sind immer mehr minderjährige Content-Creator:innen präsent – entweder aktiv vor der Kamera oder als Teil der Inhalte ihrer Eltern, insbesondere von Influencer:innen. Kinder werden dabei zu „Content-Lieferanten“: Vom positiven Schwangerschaftstest, dem ersten Bild im Kreißsaal bis zur Einschulung wird ihr Alltag häufig lückenlos dokumentiert und veröffentlicht. Auch alltägliche Situationen wie gemeinsames Essen, Freizeitaktivitäten, Arztbesuche oder emotionale Momente (sogar Tod) werden öffentlich geteilt und für eine große Reichweite aufbereitet.
Minderjährige werden im Social-Media-Geschäft instrumentalisiert und kommerzialisiert
Im Bereich des Influencer-Marketings werden Kinder gezielt für Werbezwecke eingesetzt. Dabei verschwimmt die Grenze zwischen privatem Familienalltag und kommerzieller Tätigkeit zunehmend. Persönliche Momente werden öffentlich inszeniert und monetarisiert. Kinder erscheinen in Videos, Fotos oder Kooperationen mit Marken und tragen so direkt zur Reichweite und zum wirtschaftlichen Erfolg eines Accounts bei. Dadurch werden sie schon früh in digitale Konsum- und Werbewelten eingebunden und für wirtschaftliche Interessen instrumentalisiert. Die Folgen für ihre Privatsphäre und digitale Identität können sie weder vollständig überblicken noch selbstbestimmt entscheiden.
Risiken und Gefahren digitaler Kindheit
Mit der öffentlichen Darstellung von Kindern auf Social-Media-Plattformen sind verschiedene Gefahren und Risiken verbunden.
- Verlust von Privatsphäre und Kontrolle: Persönliche Informationen, Fotos und Videos bleiben oft dauerhaft online, prägen früh die digitale Identität betroffener Kinder und können später kaum vollständig gelöscht werden.
- Verletzung des Rechts am eigenen Bild: Minderjährige können nicht selbstbestimmt entscheiden, ob Inhalte von ihnen veröffentlicht werden sollen.
- Instrumentalisierung und Kommerzialisierung: Kinder werden für Reichweite, Werbung und wirtschaftliche Interessen eingesetzt.
- Gefahr von Datenmissbrauch: Fotos und Videos können gespeichert, weiterverbreitet oder missbräuchlich genutzt werden. Neue KI-Technologien ermöglichen die Zweckentfremdung einfacher Fotos und die Erstellung von Deepfakes oder explizitem Material.
- Cybergrooming: Durch die Preisgabe von Details über Vorlieben, Wohnorte oder Tagesabläufe erhalten potenzielle Täter Anknüpfungspunkte, um Kontakt zu Kindern aufzunehmen.
- Psychische und soziale Belastungen: Der ständige Fokus auf die Kamera und der enorme Zeitaufwand für die Drehs der Beiträge können psychische Entwicklung und Bindungsfähigkeit der Kinder gefährden. Ebenso kann ständige öffentliche Aufmerksamkeit, Leistungsdruck sowie Cybermobbing Kinder belasten.