Angebote, die Ritzen, Hungern, Suizid, Drogenkonsum oder riskantes Verhalten propagieren, erreichen in Social Media viele junge User:innen. In der virtuellen Gemeinschaft werden gefährliche Handlungen, wie z.B. Pro-Ana, idealisiert, glorifiziert, Hemmschwellen abgebaut und zur Nachahmung animiert. Die Inhalte können oft vielschichtig sein, ein Angebot kann beispielsweise gleichzeitig Suizid, Selbstverletzungen und Essstörungen thematisieren.
Im Internet und den sozialen Medien sind Essstörungen immer wieder präsent. Dabei ist die Spannweite groß: Sie reicht von den eindeutigen und programmatischen Magersuchtinhalten bis hin zu subtileren Phänomenen wie Skinnytok. Gemeinsam ist ihnen, dass sie essgestörtes Verhalten begünstigen oder unterstützen können. Essstörungen zählen bei Jugendlichen zu den häufigsten chronischen Krankheiten. Werden Betroffene in ihrem Verhalten bestärkt, kann dies lebensbedrohliche Folgen haben.
Noch nie waren Informationen über Drogen so präsent und Suchtmittel so leicht erhältlich wie heute. jugendschutz.net beobachtet seit Jahren Onlineangebote, die etwa neue psychoaktive Substanzen („Legal Highs“) bewerben oder zum Kauf anbieten.
Auch auf TikTok werden Drogen und ihr Konsum trotz teilweise gesperrter Hashtags über alternative Begriffe und Accounts verbreitet. Ästhetische Inszenierungen und algorithmische Empfehlungen ähnlicher Inhalte können Drogenkonsum zunehmend als normalen Teil der Partykultur erscheinen lassen, während gesundheitliche Risiken deutlich weniger sichtbar sind. Insbesondere Jugendliche können dadurch in ihrer Wahrnehmung beeinflusst und zum Ausprobieren angeregt werden.
In Social Media aber auch in themenspezifischen Communitys, tauschen sich Menschen in Lebenskrisen über Suizidgedanken und -absichten aus. Häufig wird suizidales Verhalten verharmlost oder gar romantisiert, indem z. B. Methoden-Anleitungen, Ankündigungen und Verabredungen zum Suizid gepostet werden. Betrachten Betroffene mit Suizidabsichten solche Inhalte, können Erinnerungen an eigene negative Gefühle und Erlebnisse entstehen, was wiederum den Drang auslösen kann, sich selbst zu gefährden. Diese Wirkung bezeichnet man als Trigger (engl.: "to trigger" = "auslösen).
Von selbstverletzendem Verhalten spricht man beispielsweise, wenn sich jemand mit einer Rasierklinge Schnittverletzungen am eigenen Körper zufügt („Ritzen“). Auch Verbrennungen und Verätzungen gehören dazu. Im Netz findet sich das Phänomen, dass selbstverletzendes Verhalten als Lifestyle bzw. als Mittel zum Spannungsabbau oder der Problemlösung präsentiert wird. Dabei können Videos und Bilder vom Akt der Selbstverletzung oder von blutenden Wunden Hemmschwellen herabsetzen und selbstschädigendes Verhalten stimulieren. Essgestörte oder Suizidgefährdete verletzen sich häufig selbst, weshalb Selbstverletzungen oft in Kombination mit Pro-Ana/Mia- und Suizid-Angeboten auftreten.
In Social Media ist die Darstellung von riskantem Verhalten beispielsweise in Form von Challenges und Mutproben beliebt. Der soziale Druck bringt gerade Jugendliche dazu, dabei auch Verletzungen in Kauf zu nehmen.