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Drei aufeinanderfolgende Fastentage und niedrige Kalorienzufuhr: Diät mit Monster Draculaura als Namensgeberin. (Quelle: TikTok, Original unverpixelt)

Jugendaffin und gesundheitsgefährdend - Diäten im Comic-Stil auf Social Media

Drei aufeinanderfolgende Fastentage und niedrige Kalorienzufuhr: Diät mit Monster Draculaura als Namensgeberin. (Quelle: TikTok, Original unverpixelt)

Ernährungsempfehlungen, Sporttipps und Diätempfehlungen finden sich in Social-Media-Beiträgen zuhauf. Neben zahlreichen Tipps zu gesunder Ernährung posten User:innen auch strenge Diäten mit sehr geringen Kalorienzufuhren, deren Durchführung schlimmstenfalls eine Gesundheitsschädigung zur Folge haben könnte. jugendschutz.net ist auf TikTok und Instagram auf Inhalte gestoßen, in denen solche strikten Diäten mit bunten Bildern und comic-haften Figuren besonders jugendaffin präsentiert werden.

Comic-Figuren präsentieren Diät-Regeln

Die gesichteten Inhalte zeichnen sich dadurch aus, dass die Diäten von unterschiedlichen Charakteren im Comic-Stil repräsentiert werden. Die von den User:innen gewählten Figuren, beispielsweise aus den Produktserien „Monster High“, „Winx Club“ oder „Hello Kitty“, sind in der kindlichen und jugendlichen Popkultur sehr bekannt.1 Einzelne Charaktere werden als Namensgeber:innen für verschiedene Diäten gewählt. Eine Vielzahl an Diäten finden sich beispielsweise zur Figur „Draculaura“ aus „Monster High“. Die Hochladenden legen die Abnehmregeln sowie die täglich erlaubte Kalorienanzahl jeweils individuell fest. Es gibt demnach keine einheitliche „Draculaura-Diät”.

Den Diäten ist gemein, dass sie strenge Regeln und eine gesundheitsgefährdend niedrige Kalorienzufuhr propagieren. Bei keiner Diät übersteigt die täglich erlaubte Kalorienzufuhr 1000 kcal, sie bleibt regelmäßig deutlich darunter. Zusätzlich werden Fastentage und sportliche Aktivitäten gefordert. Meist wird kein maximaler Durchführungszeitraum angegeben, sodass Nachahmende die ungesunden Ernährungsweisen über einen langen Zeitraum durchführen könnten.

Sätze wie „Du schaffst das!” oder „Was hält dich auf?” - platziert auf der Diätentabelle – fordern zur Teilnahme auf und spornen zusätzlich an. Neben den Diätregeln teilen User:innen auch fiktive Interviews mit den namensgebenden Figuren über deren Essverhalten. Diese können bei Kindern und Jugendlichen den Eindruck von persönlicher Interaktion mit und somit Nähe zu ihren Lieblingscharakteren entstehen lassen. Figuren wie Draculaura oder die Feen aus der Serie Winx Club entsprechen außerdem einem utopischen Schönheitsideal, das zusätzlich noch comic-haft überzeichnet ist. Sie verfügen z. B. über eine extreme Wespentaille. 

Personifizierung kann Nachahmung fördern

Kinder und Jugendliche fühlen sich von den populären Figuren angesprochen. Die Diäten werden durch die Darstellung verharmlost, sodass potentielle Gesundheitsrisiken insbesondere von Kindern und Jugendlichen unterschätzt werden können. Die Popularität der humanoiden Figuren und deren unrealistische Schönheitsideale könnten sie dazu motivieren, den „personifizierten” diätetischen Verhaltensweisen nachzueifern.

Deutlich wird dies bereits in den Kommentarspalten: Zwar raten einzelne User:innen von der Durchführung ab, doch der Großteil der Reaktionen ist positiv. So kommentieren User:innen, wie hilfreich die Diäten für sie waren und welche sie als nächstes ausprobieren möchten. Solche motivierenden Kommentare, die Aufforderungen zur Teilnahme auf den Diätentabellen und das Zugehörigkeitsgefühl zu einem Fandom können sozialen Druck entstehen lassen. Zudem können durch allgemein gehaltene Hashtags unter den Posts auch User:innen mit den Inhalten konfrontiert und von ihnen angesprochen werden, die gar nicht gezielt danach gesucht haben. Die problematischen Inhalte sind so schwerer von gesunden Ernährungstipps abzugrenzen.

Kinder und Jugendliche sind in ihrer Persönlichkeit und in ihrem Körperbild noch nicht gefestigt. Die bunt und jugendaffin gestalteten Diätempfehlungen können zu Verunsicherung hinsichtlich des eigenen Körpers und zu ungesunden Schönheitsidealen führen oder diese verstärken. Gesundheitsgefährdende Ernährungsweisen können die Folge sein. Das Phänomen ist somit in Gänze als problematisch zu bewerten. Die Grenze zur Entwicklungsbeeinträchtigung für Kinder und Jugendliche bis hin zur Jugendgefährdung sah jugendschutz.net allerdings nur in einzelnen Fällen überschritten.

Beiträge zu Inhalten, die Essstörungen einseitig verharmlosen, können User:innen über unser Hinweisformular melden.

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