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Was ist die Manosphere?

 

(Stand 29.01.2026)

Im Kontext von Antifeminismus und Frauenfeindlichkeit in Sozialen Medien findet sich immer wieder der Begriff der „Manosphere“. Was ist damit gemeint?

Die Manosphere, auch „Manosphäre“ oder „Männersphäre“ genannt, ist eine Onlinesphäre aus Social-Media-Accounts, Websites und Blogs, die sich Themen wie Männlichkeit(sbildern), Männerrechten, Geschlechterrollen und -verhältnissen widmet. Verbindend sind dabei maskulinistische Männerideale und die Vorstellung, Männer seien Opfer des Feminismus. Emanzipatorische Entwicklungen und Forderungen nach Gleichberechtigung von Frauen werden als systematische Benachteiligung von oder gar Bedrohung für Männer gedeutet. Feminismus gilt mitunter gar als Männerhass, dessen Ziel die Unterdrückung von Männern sei.

So würden Männer durch den Feminismus zunehmend zu verweichlichten „Losern“, was im Widerspruch stehe zu einer in der Manosphere vertretenen geschlechterbezogenen Ungleichheitsideologie: Männer, so die Vorstellung, seien Frauen von Natur aus überlegen. Zu patriarchalen Verhältnissen, in denen sich dies ausdrückt, möchten Akteure der Manosphere wieder zurück.

Aus der subjektiv empfundenen Unterdrückung bzw. Benachteiligung von Männern wird in der Manosphere die Notwendigkeit von „echten Männern“ abgeleitet. Propagiert wird ein bisweilen toxisches Männlichkeitsbild: Sportlich, dominant, gefühlskalt, zugleich statusorientiert und finanziell erfolgreich müssten Männer sein, um sich durchsetzen zu können. Sogenannte „Manfluencer“ oder „Life Coaches“ widmen sich diesem Ziel der Selbstoptimierung, aus ideologischen Gründen oder um damit, etwa durch Seminare, Geld zu verdienen. Dabei vermitteln sie teils problematische Schönheitsideale oder konkrete Tipps und Verhaltensregeln in Sachen Fitness, Gesundheit und Ernährung, Mode und Finanzen, die vermeintlich einen „echten Mann“ und „Glow Up“ ausmachen. Männliche Jugendliche können sich unter Druck gesetzt sehen, einem zumeist unrealistischen Ideal entsprechen zu müssen, um Anerkennung und Selbstwert zu finden. Gerade Jungen und junge Männer mit unsicherem Männlichkeitsbild oder Ablehnungs- wie Diskriminierungserfahrung können in den Anleitungen ein attraktives, weil für sie klares und Bruderschaft verheißendes Orientierungsangebot finden.

In der Manosphere wird jedoch nicht nur ein problematisches bis toxisches Männlichkeitsbild beworben und inszeniert, sondern auch Frauen sexistisch abgewertet. Frauen gelten als boshaft, hinterlistig, promiskuitiv, zugleich geistlos, opportunistisch und oberflächlich; oft werden sie zu einem bloßen Sexobjekt degradiert, das es zu dominieren gelte. Darin drückt sich ein weiteres Element der maskulinistischen Manosphere aus: die Vorstellung, dass Männer ein natürliches Anrecht auf Sex haben bzw. sich in einem ständigen sexuellen Eroberungs- sowie Konkurrenzkampf befinden.

Als sogenannter „Alpha“ (teils auch: „Chad“) gilt, wer von „den Frauen“ aufgrund seines Aussehens oder (v.a. ökonomischen) Status vermeintlich begehrt würde – was selbst wiederum Frauen als simpel oder rein materiell orientiert darstellt.

Doch auch, wer selbst (noch) kein „Alpha“ ist, hat Chancen auf sexuellen Erfolg durch Manipulation. Hier setzen die Online-Angebote bestimmter „Dating Coaches“ oder „Pickup-Artists“ an. Als selbsterklärte „Frauenversteher“ vermitteln sie mitunter zahlungspflichtig Strategien, um Frauen ‚rum-‘ bzw. ‚ins Bett zu kriegen‘. Das beinhaltet auch psychische und physische Beeinflussung oder Durchsetzung ihrer Wünsche und Vorstellungen – mitunter auch gegen den erklärten Willen der Frau.

Während die „Alphas“ als „echte Männer“ an der Spitze der sexuellen und geschlechtlichen Rangordnung stehen, sind „Betas“ die zu kurz gekommenen. Als Schlusslicht oder gänzlich Abgehängte sehen sich die sog. Incels (engl. involuntarily celibated – „unfreiwillig zölibatär“), die als solche eine eigene ‚Underdog‘-Szene und Subkultur bilden.

In dieser werden Männlichkeitskränkung und Selbsthass geradezu zelebriert und inszeniert, jedoch auch ein teils extremer bis extremistischer Frauenhass gepflegt, der bis hin zu Amok- oder Terror-Taten führen kann und führte. Die Gewalt gegen Frauen wird dabei als Notwehr oder gerechte Bestrafung erachtet, Täter zynisch als „Heilige“ verehrt.

Manosphere und Incel-Kultur im Netz sind nicht deckungsgleich, es gibt aber Überschneidungen (z. B. mit dem Rechtsextremismus und anderen Extremismusformen). Zudem diffundieren in und über die Sozialen Medien ideologische Versatzstücke, Codes und Schlagwörter (z.B. „Rote Pille“; „red pilling“) von einer Sphäre in die andere.

Jungen und junge Männer geraten häufig unbeabsichtigt mit der Manosphere in Berührung, etwa wenn sie nach Fitness oder Dating-Ratschlägen suchen. Ohne kritische Reflexion können sie schnell in die dortigen Vorstellungswelten hineingezogen werden, toxische Selbst- und sexistische bis misogyne Frauenbilder übernehmen.Zudem können junge Menschen quasi sozialdarwinistische Auffassungen von sexuellen Konkurrenzkämpfen entwickeln, die unter Geschlechtergenossen zu Abwertungen führen.

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