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(Quelle: TikTok, Original unverpixelt)

Wenn der Rausch zum Social-Media-Trend wird

(Quelle: TikTok, Original unverpixelt)

 

(Stand 30.09.2026)

Zwischen Inszenierung und Normalisierung

Bunte Bilder, Musik und lachende Gesichter mit großen Pupillen: Auf TikTok wird Drogenkonsum zunehmend als Teil einer modernen Partykultur inszeniert. Auch nach der Sperrung einzelner szenetypischer Hashtags wie #Pingtok, #SpecialK oder #TripTok werden Drogeninhalte über abgewandelte Hashtags oder Zweit- und Drittaccounts verbreitet und damit Moderationsmaßnahmen umgangen. So dokumentieren und verbreiten Nutzer:innen weiter ihre Erfahrungen mit Substanzen wie Ecstasy, Ketamin oder Kokain. Konsumverhalten, das mit erheblichen Gesundheitsrisiken verbunden ist, wird häufig ästhetisch inszeniert, auf diese Weise verharmlost und als unterhaltsamer, erstrebenswerter Lifestyle dargestellt.

Die Dimension dieses Phänomens ist beträchtlich: Eine Studie1 (2026) analysierte mehr als 38.000 drogenbezogene TikTok-Videos, von denen rund ein Viertel den Konsum von Drogen unmittelbar darstellte oder detaillierte Informationen über den Gebrauch von Substanzen vermittelte. Besonders auffällig sind die großen Reichweiten und das Missverhältnis zwischen der positiven Inszenierung des Konsums und der Darstellung möglicher Folgen. Während Rausch, Gemeinschaft und Spaß prominent inszeniert werden, werden gesundheitliche Risiken wie Abhängigkeit, psychische Erkrankungen und körperliche Schäden zumeist komplett ausgeblendet.

Algorithmus als Verstärker

Problematisch ist vor allem das Zusammenspiel dieser Inhalte mit den Empfehlungssystemen von Social Media. Wer entsprechende Beiträge ansieht, kommentiert oder mit ihnen interagiert, signalisiert Interesse. Der Algorithmus empfiehlt daraufhin weitere ähnliche Inhalte. Aus einzelnen Beiträgen entsteht so ein kontinuierlicher Strom an Content, der Drogenkonsum für Nutzer:innen zunehmend normal erscheinen lassen kann.

Gerade Jugendliche können durch solche Inhalte beeinflusst werden. In einer Phase, in der sich Identität und Risikobereitschaft noch entwickeln, können wiederholte Darstellungen die Wahrnehmung verändern. Der Eindruck „Das machen doch alle“ kann dabei die Hemmschwelle für eigenen Konsum senken. Gleichzeitig dienen Profile und insbesondere Kommentarspalten oft als Kontaktbörse für den illegalen Drogenhandel (“wer hat ... in” / wer braucht ... in”).

Plattformen stehen in der Verantwortung

TikTok untersagt nach eigenen Regeln die Förderung und den Handel mit illegalen Drogen. Trotzdem verbreiten sich weiterhin problematische Inhalte, etwa durch abgewandelte Hashtags, Zweitaccounts oder verschlüsselte Begriffe. Die bisherigen Vorsorge- und Sanktionsmaßnahmen von TikTok im Umgang mit jugendgefährdenden Drogen-Inhalten sind daher verbesserungsbedürftig.

Nötig sind unter anderem sichere, altersdifferenzierte Voreinstellungen, eine verlässliche Alterskontrolle, schnellere Reaktionen auf Meldungen und eine konsequentere Filterung jugendgefährdender Inhalte. Auch der Empfehlungsalgorithmus könnte stärker für Präventionszwecke genutzt werden, etwa indem Jugendliche potenziell schädliche Inhalte gar nicht erst angezeigt bekommen und stattdessen gezielt Beratungs- und Aufklärungsangebote eingeblendet werden.

Die Herausforderung besteht darin, nicht nur einzelne Videos zu löschen: Entscheidend ist die kumulative Wirkung tausender Beiträge, die Drogenkonsum immer wieder als normal, lustig oder attraktiv darstellen. Jugendschutz muss deshalb dort ansetzen, wo diese Normalisierung entsteht: bei der Sichtbarkeit, Verbreitung und algorithmischen Verstärkung der Inhalte.

Wie Drogenkonsum auf TikTok dargestellt wird und wie das insbesondere Jugendliche zum Ausprobieren verleiten kann, zeigt auch der Report „#Pingtok, #Triptok & Co. Drogeninhalte auf TikTok“.

 


1 Studie „From #Dr00gtiktok to #harmreduction: Exploring Substance Use Hashtags on TikTok“, 2026

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